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Erfahrungsberichte

Bericht einer Lehrerin
Schulbesuche am Hof
Fotodoku aus Tübingen
Naturschutz mit Schulklasse

Lehrerinterview

Hier finden Sie einige Stimmen von Besuchern auf dem Wacholderhof.

Weitere Darstellungen gibt es im Veranstaltungsrückblick, Medienberichte unter Presse.

 

Das etwas andere Schullandheim

Ein Bericht von Carola Schmillen-Becker, Lehrerin einer Hauptschulklasse in der Region Stuttgart

Mit dieser Überschrift ist treffend ausgedrückt, wie ich als Klassenlehrerin einer 6. Hauptschulklasse aus Stuttgart die Tage mit meinen 21 Kids auf dem Wacholderhof erlebt habe. Ein Kollege war als weiterer Betreuer mit dabei. Das pädagogische Programm war im Vorfeld mit Christian Zech abgestimmt worden.

Schon die Vorplanung mit der Klasse ließ erahnen, dass dies ein besonderer Aufenthalt werden sollte. Im Klassenrat erfuhr ich als Klassenlehrerin, die sich bewusst für den Wacholderhof entschieden hatte, heftige Gegenwehr seitens der Schüler. Äußerungen wie „Stunden wandern – geht nicht“, „kein Handy – unvorstellbar“, „Süßis bleiben zuhause – das überleben wir nicht“ waren zu hören. Um es vorweg zu sagen: Alle Kinder (und wir Lehrpersonen) haben den Aufenthalt auf dem Hof überlebt - und zwar blendend und sehr, sehr zufrieden, vollgepackt mit neuen, schönen, spannenden Erlebnissen!

Schon die Wanderung vom Bahnhof zum Hof war ein Erlebnis. Der Hofgründer Berthold Burkhardt erklärte den Schülern Kräuter, Blumen und Pflanzen und ließ sie auch einzelne Kräuter und Pflanzen unterwegs probieren. Für viele Schüler war dieser Weg zum Hof (2 Stunden) die bisher längste Wanderung ihres Lebens. Und obwohl einige vorher äußerten, dass sie das sicher nicht schaffen würden, kamen wir alle gut gelaunt und hungrig auf dem Wacholderhof an. Das Schullandheim begann also mit dem ersten Erfolgserlebnis! Und derer folgten noch viele!

Am Abend erhielten die Kinder von Christian den Auftrag, unter Aufsicht selbständig das große Lagerfeuer zu entfachen. Es begannen endlose Diskussionen untereinander, wie ein Feuer entzündet wird, welche Materialien dazu gebraucht werden etc. Die Schüler mussten sich untereinander allein einigen, wer Holz besorgt, wie das Holz aufgeschichtet wird und vieles mehr. Auch wir Lehrer bekamen eine Aufgabe: Raus halten, zuschauen, machen lassen. An dieser Stelle kann gesagt werden, dass den Kindern ihre Aufgabe leichter fiel als uns Lehrern! Der Abend fand dann mit Singen, Ratespielen und gemütlichem Zusammensitzen an einem großen Feuer statt, das die Kinder stolz uns Erwachsenen präsentierten.

Der nächste Tag begann mit einem besonderen Frühstück. Nicht nur das gesunde Frühstück war für manche Kinder eine neue Erfahrung und kostete etwas Überwindung (aber bekanntlich macht Landluft ja hungrig). Christian erklärte den Kids zudem, dass das Frühstück schweigend eingenommen werden sollte und die Schüler sich nur mit Handzeichen verständigen dürfen. Ich als Lehrerin stand dem Ganzen etwas skeptisch gegenüber, da ich fürchtete, dass ich einmal wieder „Polizei“ spielen müsse. Aber es klappte wunderbar! Den Kindern machte es Spaß, sich mit Handzeichen zu verständigen und wir Erwachsenen genossen die himmlische Ruhe. Natürlich bestand ich darauf, dass auch am 2. Tag ein schweigendes Frühstück statt fand!

Die Jungbäuerin nahm sich viel Zeit, um den Kids den Hof und die Tiere zu zeigen. Schnell machten die Schüler die Erfahrung, dass Tiere sich nur streicheln lassen, wenn alle leise sind und sich langsam bewegen. Auch die ängstlichsten Schüler und Schülerinnen trauten sich zu den Schafen und Kühen in Begleitung eines Erwachsenen auf die Weide und streichelten die Tiere. Für einige war es die erste direkte Begegnung mit den verschiedenen Tieren.

Ein Tag stand unter dem Motto „Vom Korn zur Pizza“. Alle Schüler durften verschiedene Methoden ausprobieren, wie aus Körnern Mehl entsteht. Dabei kamen einzelne richtig ins Schwitzen, denn es war gar nicht so einfach eine größere Menge Körner mit Steinen etc. zu zerkleinern. Christian bereitete dann mit den Kindern den Pizzateig zu. Natürlich sollten alle einmal den Teig bearbeiten. Kommentare von meinen süßen Mädels wie „Iiih, da soll ich mit meinen Händen rein“ hatten keine Chance. Jeder musste ran und diejenigen, die vorher am meisten „Iiih“ geschrien hatten, waren diejenigen, die am längsten mit sichtlichem Spaß den Teig bearbeiteten. Auch der Belag wurde von den Schülern geschnippelt, die Pizza belegt und dann zum großen Backofen gefahren. Alle standen um den Backofen herum und warteten, bis die Pizza endlich fertig war. Mit großem „Hallo“ wurden dann die Pizzen zum Hof zurückgefahren und alle samt aufgegessen.

Natürlich stand noch einmal eine lange Wanderung auf dem Programm. Diesmal dauerte die Wanderung sogar 3 Stunden. Danach wollten sich viele im Bett ausruhen, so kaputt fühlten sie sich. Aber da hatten sie die Rechnung ohne mich gemacht: „Geschlafen wird erst am Abend. Basta!“ Und so hatten wir Erwachsenen dann etwa ab 24 Uhr an zwei Abenden schlafende Kinder in den Betten, konnten noch etwas gemütlich zusammen sitzen und bekamen auch selbst noch ausreichenden Schlaf.

Am 3. Tag ging es wieder zurück nach Stuttgart. Alle waren rund herum zufrieden und glücklich. Ich werde in diesem Jahr wieder mit einer Klasse den Wacholderhof besuchen, da ich weiß, hier können Kinder neue, andere Erfahrungen machen und auch ich als Lehrerin lerne meine Kinder in anderen Bezügen kennen.

 

Schulklassen besuchen den Wacholderhof

Waten, streicheln, backen und staunen – Schulklassen auf dem Wacholderhof

Der Wacholderhof im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald bei Murrhardt ist nicht nur ein landwirtschaftlicher Bioland-Betrieb sondern auch ein beliebter Ausflugsort für Schulklassen und Kindergruppen. Im Bach waten, Nachts im Wald wandern, Körner quetschen, Pizza backen, Tiere streicheln und am Lagerfeuer Stockbrote machen - vor allem, wenn die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern für zwei oder drei Tage auf den Hof kommen, wird der Aufenthalt zum intensiven Erlebnis. Der Wacholderhof ist ein gemeinnütziger Verein, der seit Jahren Kinder und Jugendliche zu solchen Projekttagen einlädt.
Von Christian Zech

 

Hinweis: Klicken Sie auf ein Bild, um es in voller Größe zu sehen.


Cooler Bauer im Kartoffelfeld

Erste Bekanntschaft mit Bienen

Körner knuspern

Steinzeitmenschen beim Mehl mahlen

Viele Schulklassen kommen mit dem Zug und fahren bis zum Bahnhof in Murrhardt. Dort nimmt sie ein Mitarbeiter des Wacholderhofs, ein "Wapäd" (Wacholderhof-Pädagoge) in Empfang und das Gepäck wird mit einen Hof-Bus zum etwa 5 Kilometer entfernten Wacholderhof gebracht. Für die Schüler und ihre Lehrer beginnt hier das Abenteuer. Alle zusammen wandern mit leichten Rucksäcken durch ein bewaldetes Tal entlang des plätschernden Trauzenbachs bis auf den Hof. Es gibt Lausch-Stationen an verschiedenen Stellen des Weges, bei denen die Kinder mit geschlossenen Augen die Geräusche wahrnehmen und sich merken sollen. Am Fratzenbrunnen, einem sehr lauschigen Plätzchen mitten Wald, geht es um die Bedeutung von Wasser und wie wichtig solche Quellen für die Menschen früher waren.
Ein Highlight ist immer auch die kleine Brücke auf halber Wegstrecke, an der die Wandergruppe den zwischen Felsbrocken sprudelnden Bach überquert. Kurz nach der Trauzenbach-Mühle treffen die Kinder häufig schon auf weidende Wacholderhof-Schafe und machen eine kleine Rast.

Nach einem kurzen und steilen Stück Aufstieg lichtet sich der Wald und die Schulgruppe steht vor dem Wacholderhof mit seinem erdroten Gästehaus. Dort beziehen die Kinder dann ihre Zimmer und die wichtigsten Regeln der Hausordnung werden verkündet, zum Beispiel dass die Betten sich nicht als Trampolin eignen. Meist sind die Kinder vom Wandern so hungrig, dass sie sich sogar an das Gemüse wagen - und es schmackhaft finden und dies sogar laut verkünden! Am Nachmittag folgt dann eine Hof- oder Tierführung. Neben den Schafen gibt es hier auch eine Herde Limpurger Rinder. Das ist die älteste, noch lebend württembergische Haustierrasse, die vor 30 Jahren fast ausgestorben wäre.

Gegen Abend gehen die furchtlosesten Jungs und Mädels dann in den nahe gelegenen Wald und holen Holz für das Lagerfeuer und das Brotbacken im "Backhäusle". Wer will, kann der Tag mit einer Nachtwanderung im stockdunklen Wald und / oder einem gemütlichen Abend am Lagerfeuer beschließen.

 

Der nächste Morgen beginnt vor allem für das noch verschlafene, etwas "grätig" auf Kinderlärm gefasste Küchenpersonal mit einem Wunder: Beim "Schweigefrühstück" dürfen die Kinder nicht sprechen und sich nur mit Gesten verständlich machen. Man hört eine Sinfonie aus sanftem Geschirr-Geklapper und alles schmeckt natürlich viel intensiver.
Dann geht es vom Korn zum Brot: Während die eine Gruppe noch die Haferquetschen kurbelt, die Körnermühle mit Weizen füttert oder wie die Neandertaler versucht, mit Steinen eine Hand voll Mehl aus Körnern zu mahlen, gehen die anderen die perfekte Menge Holz abwiegen und den Ofen anheizen. Zwischendurch gibt es immer wieder ein paar spannende Informationen nebenbei, zum Beispiel über die verschiedene Getreidesorten oder was sich hinter "Grünkern" verbirgt: Als vor rund 100 Jahren wegen großer Vulkanausbrüche Schnee im August fiel und der Dinkel noch grün geerntet wurde, musste er durch Räuchern nachträglich gereift werden. So entsteht Grünkern mit seinem typisch-nussigen Geschmack! Mit dem Solarkocher wird das Wasser für den Teig erwärmt, die Kinder kneten die feuchte Masse und die Arbeit der Hefe erweckt Staunen. Wenn die großen Pizzableche belegt sind, formen die Kinder aus dem Restteig noch Brote und Brötchen. Für die Mitarbeiter des Wacholderhofs ist es immer wieder eine Herausforderung, den Ablauf genau so abzustimmen, dass alles rechtzeitig in die beheizten Ofen und danach pünktlich auf den Tisch kommt und sie gleichzeitig auf Fragen oder Wünsche der Kinder eingehen können.

 

Der Nachmittag ist dafür umso entspannter: Bachwanderung. Eintauchen in eine Zauberwelt aus Geplätscher, Moos, Steinen und umgestürzten Bäumen. Kinder helfen einander beim Klettern, einer verliert im Matsch seinen Stiefel, der nächste ist schon bis zur Hüfte nass. Die Röhre unter dem Waldweg ist ein markanter Einschnitt. Auch ein paar kniffelige Fragen sind zu bearbeiten: Wo kommt das Wasser her, wo doch die Sonne scheint? Warum fließt der Bach nicht gerade den Berg hinunter, auch wenn das Gelände eben und ohne Hindernisse ist?
Spätestens bei der "Klippe" und wenn es heiß genug ist, nehmen alle ein Vollbad und die Wildesten springen sicher ein Dutzend mal im Blitzlichtgewitter der Digitalkameras in das kühle Naß. Vor allem diese Bachwanderungen werden von den Kindern bei ihren Rückmeldungen immer besonders gewürdigt.

Dies belegt sehr anschaulich, mit welchem pädagogischen Konzept der Wacholderhof überzeugt: Kinder sind keine Fässer, die es abzufüllen gilt. "Ent-wicklung" und "Er-ziehung" hat mit wickeln und ziehen zu tun: Da ist schon etwas und die Erwachsenen müssen es (einfach?) aus den Kindern heraus holen. Motivation zur Neugier, zum Lernen entsteht durch positive emotionale Erfahrungen. Sie können zu Ankerpunkten für die Gestaltung eines ganzen Lebens werden. "Dies zu ermöglichen, ist unsere Aufgabe", sagt der Wacholderhof-Pädagoge Christian Zech. "Wissen allein ist ein Hilfsmittel, kein Selbstzweck. Reiner Wissenstransfer macht die jungen Menschen zu Konsummaschinen, die ewig unzufrieden sein werden, denn sie werden nie genug bekommen."

Natürlich herrscht bei den Schulgruppen-Besuchen auf dem Wacholderhof auch nicht immer nur Friede-Freude-Eierkuchen. "Manche Klassen kommen mit einer Forderungs- und Konsumhaltung auf den Hof", so der Wacholderhof-Pädagoge Zech, "die sich kaum auflösen lässt. Wenn alles so perfekt wäre, wie sie es fordern, würden sie sich wahrscheinlich am Ende beklagen, dass der Hof nicht ursprünglich genug sei." Durch Vorgespräche werden deshalb im Vorfeld die Erwartungen und Möglichkeiten abgeklärt. "Im Zweifelsfall ist es manchmal besser, den Schulen andere Aktivitäten und Ziele zu empfehlen", sagt der Kulturpädagoge und Musiker aus Erfahrung. "Damit ist am Ende allen gedient." Die Mehrheit der Schulklassen ist jedoch begeistert vom Wacholderhof und sie nehmen intensive Erfahrungen mit in ihren Alltag. Viele Lehrer kommen mit ihren Schülern immer wieder zum einem Besuch auf den Wacholderhof. Es ist ein fast magischer Ort, der viele nicht mehr loslässt, die ihn einmal kennengelernt haben.

 

Bericht als PDF herunterladen.

 

 

Bilddokumentation der Charlottenschule aus Tübingen

Die 4. Klasse der Grundschule Tübingen-Kilchberg war Anfang Juli 2011 für drei Tage bei uns zu Gast und „restlos begeistert“, wie ihr Lehrer in unserem Gästebuch berichtet.

Freundlicherweise ließen sie uns eine Foto-DVD zukommen, deren beste Bilder wir nicht vorenthalten möchten – einige wurden von den Kindern selbst gemacht.


1. vom Korn -

2. - übern Teig -

3 - mit Pizzaservice -

4. - zum selbstgemachten -

5. - Pizzagenuss

Action

Auf gehts zum Pony reiten - im Hintergrund der Hof

Begegnung

Dududuu

Einblick und Ausblick

Einwurf unter Bäumen

Faszination Bienen

Faszination Mut

Geimsam Sinnieren

Hofführung an den Gewächshäusern

I liab di

Kleine - Kochshow

Kraxler

Männer unter sich

Platz zum Spielen

Räucherstäble

Spielenachmittag

Teamwork

Was man da so alles hört

Zupp isch fertig

Zweierpack

alles ist möglich

aufi gehts

barfuß über Stock und Stein

bergauf

das Leben ist schön

ein Fund

erobert

erwartungsvoll

herr-lich

hoiß is

im Honigraum 2

im Honigraum

im Tipi

immer geschäftig

immer interessant

jeder kocht sein Teechen

kollektives Horchen

unter sich

viel zu hören

 

 

Naturschutzaktion am Schweizerhof

Im August 2008 führten wir mit einer Schulklasse Naturschutzmaßnahmen am Schweizerhof durch. Hier die Rückmeldungen:

Schülerberichte auf der Erich-Kästner-Schule.

Artikel in der Murrhardter Zeitung.

 

 

Ästhetische Erziehung auf dem Biohof

Alexander Heinze, Lehrer der Grundschule Burgholzhof in Stuttgart, kommt seit 1995 immer wieder mit den Klassenstufen 3 und 4 für ein- und mehrtägige Aufenthalte auf den Wacholderhof bei Murrhardt. Seit 2005 sind die Besuche fest im Schulprofil und im Schulcurriculum verankert. Der Wacholderhof im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist seit 1986 Bioland-Mitglied und versteht sich seit Anfang der 80er Jahre nicht nur als landwirtschaftlicher Betrieb sondern auch als Lernort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

 

Andreas Greiner: Warum kommen Sie immer wieder mit neuen Schülern für ein Schullandheim auf Wacholderhof?

Alexander Heinze: Ganz wichtig ist es für die Schüler, den Lernort Schule auch mal hinter sich zu lassen und eine erwartungsfreie Zeit in einer Gemeinschaft mit anderen zu erleben. Die wenigen Tage hier auf dem Hof öffnen die Kinder in Ihrer Erlebnisfähigkeit, wie es in der Schule nicht möglich ist. Darüber hinaus bietet so ein Hof enorme Möglichkeiten für die ästhetische Erziehung, für das ganzheitliche Lernen mit allen Sinnen. Ob bei einer Wanderung mit den Ohren im Wald oder beim Streicheln von Tieren – die Schüler können hier ihre Wahrnehmungsfähigkeit in einem umfassenden Sinne entwickeln. Und drittens lernen die Kinder hier andere Lebensformen kennen, die sich stärker an den Jahresrhythmen der Natur und den Notwendigkeiten auf dem Hof, z.B. den Bedürfnissen der Tiere orientieren.

 

Welche Erfahrungen können die Schüler hier machen, die ihnen die Schule nicht bietet?

Wie viel Zeit habe ich, diese Frage zu beantworten (lacht)? Also meine Antwort ganz kompakt: Die Tage hier auf dem Hof erweitern die körperlich-sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten von Welt und Wirklichkeit, sie öffnen neue Erfahrungs- und Erlebensräume für die städtischen Kinder, sie stärken das Gemeinschaftsgefühl und wirken den Vereinzelungstendenzen entgegen. Außerdem – auch ganz wichtig – erfahren die Kinder Schule und uns Lehrer hier nicht nur als „Inhaltsvermittler“, sondern viel stärker als soziale Gebilde und Menschen. Die Kinder werden sensibler im Umgang mit Mensch, Tier und Natur - und auch mit sich selbst.
Auch können Kinder, die vielleicht in der Schule nicht so stark sind, können hier auf ganz neue Art und Weise Selbstbewusstsein tanken...

 

Bitte ein Beispiel…

Bei unserem letzten Aufenthalt war ein Junge mit italienischen Eltern dabei, der mit den schulischen Anforderungen oft zu kämpfen hat. Auf dem Wacholderhof kam er beim Pizza backen im Holzofen ganz groß raus. Das hat sein Selbstwertgefühl und sein Ansehen in der Gruppe ungemein gestärkt. Von solchen Erfahrungen profitieren die Kinder manchmal noch das ganze Schulhalbjahr.

 

Was nehmen die Schülerinnen und Schüler im Allgemeinen nach Hause mit?

Nach den Wacholderhof-Tagen reagieren die Kinder oft so:
"Mir geht es gut! Ich kann hier mit anderen zusammen sein, spielen, Dinge
erleben, die ich zu Hause nie erleben würde …“ oder sie sagen: „Das sind die schönsten Tage in meinem Leben gewesen!". Die Kinder sind während dieser Tage ganz offen, freundlich, empfänglich und gehen in dem Gemeinschaftserleben auf, wie es in der Schule so nicht möglich ist. Dies kann eine wichtige Erfahrung auf dem Bildungsweg zu einem kompetenten Sozialpartner sein. Viele Kinder geben die Rückmeldung, dass „ihnen die Schule hier so richtig Spaß macht“. Diese umfassende Öffnung wirkt oft nachhaltig positiv auf die Klassengemeinschaft.

 

Ist es nicht manchmal ein "Kulturschock" für die Kinder, wenn sie für drei Tage von Mobiltelefon und Internet abgeschnitten sind? Wie gehen die Schüler, wie gehen Sie damit um?

Hier spielt das Phänomen des „sich Vergessens in Zeit und Beschäftigung“ eine wichtige Rolle. In der Fachsprache nennt man das „Polarisation von Aufmerksamkeit“, d.h. die tiefe Versunkenheit in eine Tätigkeit bzw. auf einen Gegenstand. Das erleben die Kinder heute während der Beschäftigung mit elektronischen Medien ganz von selbst. Sie können sich jedoch mittels gestalteter Arbeits-, Lern- und Erlebensumgebungen (wie sie auf einem Hof und in seiner Umgebung angetroffen werden können) ebenso in ihren Tätigkeiten verlieren, ihr Tun in einer Weise fokussieren, so dass sie elektronische Medien nicht im Geringsten vermissen. Nach dem Schullandheim fällt vielen Kindern erst ein, dass sie so viele Tage ohne die Werkzeuge des "Zeit-tot-schlagens" ausgekommen sind, und dass sie diese überhaupt nicht vermisst haben. Insofern ist der Umstand, dass die Kinder keine elektronischen Medien benützen dürfen, eine Voraussetzung für eine Erweiterung ihrer kultureller Handlungsmöglichkeiten. Trotzdem erleben die Kinder es im Vorfeld als eine existenzielle Beschneidung, keine elektronischen Medien mitnehmen zu dürfen.

 

Das Interview führte Andreas Greiner kurz nach der Bioland-Tagung auf dem Wacholderhof.

 

 

Dekorationsbild
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